Tischtennis in Hamburg
Passwort vergessen?
TT-Maximus ist ein Projekt von
Bottom

News
TT-Maximus wird unterstützt von unserem Premiumpartner
M-Point - das Unternehmernetzwerk

26.09.2011 | Eine Reise ins Land des Tischtennis

Ende August brach ich mit 4 Aktiven sowie Suwen Evers-Fan und Peter Dietterle zu einer unvergesslichen Reise ins Reich der Mitte auf. Für Tischtennisliebhaber dürfte eine China-Reise so bedeutsam sein wie für Muslime die Pilgerfahrt nach Mekka.

Nur zwei Wochen und die Buchung war perfekt. Was mancher sich wohl frühestens für den Lebensabend erträumt hatte, war damit in trockenen Tüchern: Es geht nach China! Dabei stand mir noch zwei Wochen zuvor die Aussicht auf regnerisch triste Semesterferien im grauen Hamburg bevor – und nun das!

Suwen war gerade aus dem Urlaub in ihrem Heimatort Zhongshan zurückgekommen. Dort hatte sie  der Besitzer einer Restaurantkette sowie einer Tischtennis-Schule, Herr Lou, gefragt, ob sie nicht ein paar Langnasen herüberholen wolle, die für sein Team auf einem lokalen Turnier starten wollten. Er wolle für drei Leute Flug und Unterkunft übernehmen. Suwen kontaktierte sofort Peter, mit dem sie bereits zwei Jahre zuvor eine ähnliche Reise nach China unternommen hatte. Innerhalb weniger Tage stellte Peter ein fünfköpfiges Studententeam auf die Beine, das alle sonstigen Pläne für den Traum von China auf Eis legte. Zunächst stand die Reise jedoch auf der Kippe, weil Suwen, mit der das Projekte stand und fiel, unsicher war, ob sie ihre Kinder allein lassen könne.

Doch am 25. September war es dann soweit. Zusammen mit meinen Mannschaftskollegen Tobias Schmidt und Simon Moschall sowie Marcel von Würzen, Thorben von Hacht, Peter und Suwen brachen wir auf ins Land des weißen Balles.

Noch am selben Abend unserer Ankunft stand das erste Vergleichsmatch gegen die Nachwuchstalente aus der Sportschule auf dem Programm. Noch etwas müde von der Reise, konnte ich kein Spiel gewinnen, ließ mich sogar von einer 17-jährigen Chinesin verhauen. Zum Glück waren die anderen schon präsenter. Insgesamt spielten wir in etwa ausgeglichen, sodass „Mr. Low,“ wie wir ihn fortwährend nur noch nannten, wohl aufatmen konnte. Er hatte sich zwar keine Bolls und Ovtcharovs bestellt, aber auch keine Kreisligisten. Im Anschluss ging es zum Essen in das benachbarte Restaurant Mr Lous, wo Simon als Veganer und ich als Vegetarier eine Suppe zu Gesicht bekamen, die auch Fleischliebhaber Tobi ein wenig den Magen umdrehte: Suppe mit Fischkopf und Hühnerfüßen.

Am Dienstag begann das Training, in das wir uns eifrig und bei guter Belüftung der Halle stürzten. Von nun an standen täglich zwei bis drei Einheiten auf dem Programm. Zum Glück – denn es gab einiges zu lernen von den Chinesen. So zum Beispiel die rapide Unterarm-Handgelenk Beschleunigung, bei der wir Deutschen uns mit wohl häufig zu intensivem Schultereinsatz einiges Abgucken können. Frustrierend (oder eher: inspirierend) war auch der Balleimer: Während die Chinesen eine ca. vierfach größere Balleimerschale ohne Pause mal eben verballerten, mussten wir schon nach dem ersten Viertel um eine Verschnaufpause bitten. Hinzu kommt, dass die Chinesen so schnell einspielen, dass man zwar um eine Technikvernachlässigung nicht umher kommt, dafür aber gezwungen wird, eine kurze und schnelle Bewegung zu machen.

So verstrichen die Tage wie im Flug. Mit jedem Tag konnten wir die versteinerten Mienen der Kinder, denen die Freude am Tischtennis zunächst wahrlich nicht ins Gesicht geschrieben stand, ein wenig lockern. Ich glaube, dass Chinesen im Kindes-, Erwachsenen- und Seniorenalter eine wahnsinnige Freude am Tischtennis haben. Im Jugendalter jedoch scheint der Sport mehr wie eine Art verpflichtender Schulunterricht, eine notwendige Ausbildung für den Rest des Lebens. Das ist insofern nicht verwunderlich, als dass Eltern häufig so ziemlich alles in ihr einziges Kind investieren und es dabei erheblich drillen. Insgesamt war der Drill in unserer Sportschule jedoch bei weitem nicht so stark, wie wir uns das vorgestellt hatten. Mr Lou ging sehr freundlich mit seinen Schützlingen um, vielleicht auch deshalb, weil er die Sportschule ohnehin scheinbar nur für sich selbst gegründet hatte. Der Tischtennisverrückte hatte erst vor fünf Jahren selbst begonnen und hatte scheinbar einiges nachzuholen. Laut Suwen schlief er maximal zwei Stunden pro Nacht.

Dann kam das Finale der Woche, das „Friendship Open“ Turnier. Vor der pompösen Sporthalle gab es zunächst ein ohrenbetäubendes Trommelkonzert, dass am frühen morgen auch die letzen Schlafnasen wachrüttelte. Wir staunten nicht schlecht beim Anblick der Sporthalle, die in etwa die Größe der Alsterdorfer Sporthalle besaß, aber noch deutlich moderner war. Nach der Begrüßungszeromonie, bei der auch die sonst so disziplinierten Chinesen Probleme hatten, nach fünf Rednern noch stillzustehen, gab es noch ein Showmatch zweier Chinesinnen unter den Top10 der Welt. Und natürlich musste auch nochmal eine Langnase gegen eine von ihnen ran. So stand ich – ehe ich mich versah – inmitten der Turnhalle, umzingelt vom Blitzlichtgewitter und musste mich von dieser Chinesin verhauen lassen. Beim Spielstand von 1:6 erlöste mich dann schließlich der Moderator.

Nach diesem fulminanten Start, folgte jedoch eine große Enttäuschung. Thorben und Marcel konnten auf Grund der späten Anmeldung im sehr formalen China nicht mehr am Turnier teilnehmen. Für sie ging es daher zurück zum Training. Tobi konnte als einziger im Team starten, weil Mister Lou sich fälschlicherweise auf das Urteil einer Hamburger Spielerin verlassen hatte, nach der nur Tobi eine angemessene Stärke für das Turnier besäße. Als er uns dann jedoch spielen sah, änderte er seine Meinung und wollte uns alle melden – scheinbar zu spät. Im Team-Cup konnte Tobi mit seinem Team den dritten Platz holen.

Im Einzel gingen Tobi, Simon und ich an den Start. Ich schaffte es doch tatsächlich, ohne gewonnenen Satz ins Achtelfinale zu kommen. In der Gruppe hatte ich nur einen Gegner – 0:3. Im Achtelfinale hieß es wieder: 0:3. Hatte das Training denn gar nichts gebracht? Wohl schon. Nur hatte ich gegen die beiden späteren Finalisten mit 2.Liga-Niveau gespielt. Tobi verpasste auf Grund von Rückenproblemen leider die große Chance auf das Halbfinale. Seinen zuvor bereits besiegten Gegner konnte er nicht nochmal schlagen. Schade, eine Langnase im Halbfinale, das wäre es gewesen! Für Simon war ebenfalls im Achtelfinale Schluss, er konnte aber gegen einen Chinesen mit Regionalliga-Niveau teils grandiose Bälle spielen.

An den letzten beiden Tagen standen noch zwei Vergleichsspiele auf dem Programm. Herr Lou wollte seinen Freunden und Geschäftskollegen nochmal die Möglichkeit geben, sich mit ein paar Europäern zu messen. Einer Legende zufolge verlor Timo Boll auf seiner ersten Chinareise gegen den Hausmeister einer Sporthalle. Ich glaube nun an diese Legende. Denn in China kannst du gegen jeden verlieren. Da kommt der Koch mal eben aus der Küche und zieht dich 3:0 von der Platte. Und von solchen gibt es unter 1,3 Milliarden Menschen in China etliche! Egal, schnell verwerfen den Gedanken, er ist zu frustrierend.

Am Ende ging es dann noch fernab des Tischtennis für zwei Tage nach Hongkong. Hier hatte Suwen mal wieder alles bestens organisiert: Der in Deutschland geborene Sohn des Trainers der TT-Nationalmannschaft von Hongkong begleitete uns beim Sightseeing und konnte uns viele Infos und Tipps geben. Nur so viel: Die Skyling New Yorks ist ein Witz gegen die Hongkongs!

Damit gingen 10-Tage der Überflutung mit neuen, wundersamen Reizen zuende. Jedem Tischtennisbegeisterten kann ich, sofern möglich, eine Reise ins Mekka des Tischtennis nur dringend empfehlen. Auch kulturell und politisch gibt es viel zu lernen, aber damit fang ich am besten gar nicht erst an. Als ich den Anruf von Peter bekam, nahm ich mir ein paar Tage Bedenkzeit, weil sich ein mir wichtiger Termin mit der Reise schnitt. Im Nachhinein weiß ich nicht, wie ich auch nur eine Sekunde mit meiner Zusage zögern konnte.

Alle Bilder der Reise sind unter https://picasaweb.google.com/Tischtennis.Sasel/China2011 anzusehen.

 

Kurz vor der Abreise. Noch wussten wir nicht, was uns erwartet.



Bild mit Mr Lou (Mitte) und den Kindern seiner Sportschule.

Für Chinesen ist das Lächeln auf Fotos eher ungewöhnlich. Für uns allerdings auf diesem Bild scheinbar auch.



Showkampf gegen eine Chinesin aus den Top10 der Welt – jetzt bloß nicht blamieren!



v. l. n. r.: Tobias Schmidt, Simon Moschall, Thorben von Hacht, Marcel von Würzen, Jan Niklas Meyer, Herr Lou und Suwen Evers-Fan.

 
TT-Maximus wird unterstützt von unseren Partnern:
Food For Kids title= Zweiradhaus Ehrig GmbH title= TSP Tischtennis GmbH  title=